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Peter Grimes

Benjamin Britten 1913-1976

Oper in drei Akten und einem Prolog
Text von Montagu Slater nach der Verserzählung The Borough (1810) von George Crabbe
Uraufführung am 7. Juni 1945, Sadler’s Wells Theatre, London

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Sebastian Weigle
Peter Grimes Vincent Wolfsteiner
Ellen Orford Sara Jakubiak
Captain Balstrode James Rutherford
Auntie Jane Henschel
Two Nices Sydney Mancasola, Angela Vallone
Bob Boles AJ Glueckert
Swallow Clive Bayley
Mrs. Sedley Hedwig Fassbender
Reverend Horace Adams Peter Marsh
Ned Keene Iurii Samoilov
Hobson Barnaby Rea

»Peter Grimes! Peter Grimes! Peter Grimes!«, wird zur Untersuchung des Falles gerufen. Die Oper über einen Außenseiter, den man nicht zu integrieren gewillt ist, beginnt. Schon der Aufruf bedeutet: Isolation. In The Borough, der Dichtung des englischen Poeten und Landpfarrers George Crabbe, auf die das Libretto von Brittens Oper zurückgeht, treten gänzlich unheroische Menschen auf. Wir finden darin den Dorftrottel, das verführte Mädchen, den resignierten Geistlichen, den Bettler, aber auch die korrumpierbaren und bigotten ehrbaren Bürger, die ihre Gebrechen hinter ihrem Vermögen verstecken. Auch die alte Tante mit ihren schönen und zur Schau gestellten Nichten fehlt nicht. Und dann gibt es den finsteren Fischer Peter Grimes, mit dem keiner mehr arbeiten will, da er unter dem Verdacht steht, seinen Lehrjungen ermordet zu haben.

Von seinem Schicksal handelt Benjamin Brittens Werk, das — 1945 uraufgeführt — inzwischen zu einer der erfolgreichsten Opern der neueren Musikgeschichte avancierte. Das Stück, das mit großem Orchester immer wieder die elementar klingende Musik des Meeres mit der Seele des tragischen Helden verbindet, beginnt mit einem Untersuchungsprozess. Jemand musste Peter Grimes verleumdet haben. Ein Mensch wird aus einer Gemeinschaft ausgestoßen, die ihn von nun an niemals mehr aufzunehmen gedenkt. Er sucht schließlich seinen Tod in den Naturgewalten. Gezeichnet durch den Blick der Dorfleute durchmisst der Fischer Peter Grimes die Höllen einer sich zur letzten Instanz aufwerfenden Spießerwelt. Deren durch größte psychologische Entlarvungskunst auskomponierte, fadenscheinige Moral setzt Britten in seiner ersten Oper die elementare Wucht des zum Orchesterklang gewordenen Meeres entgegen. Die Welt ist reich an Sündenböcken: an Fremden, an Behinderten, an vermeintlichen Hexen, an Juden oder an denen, die ihr eigenes Geschlecht lieben. Es mangelt dem zur Meute gewordenen Mob niemals an Stereotypen der Verfolgung. Das Schuldablagerungsreservoir besitzt eine schier unbegrenzte Aufnahmekapazität. Da erscheint am Ende der Oper die geschwätzige Wirtin und fragt den homophoben religiösen Fundamentalisten, was es Neues gibt im Städtchen. »One of these rumours« (»Wieder ein Gerücht«), vermutet sie. Schließlich wird das Gerücht übermächtig. Man bricht auf zur Menschenjagd. »Ich glaube, es gibt noch eine Menge Grimes’ unter uns!«, sagte Peter Pears, der Lebensgefährte Brittens und erste Darsteller des Fischers.