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Music for 18 musicians

Steve Reich *1936

Der amerikanische Komponist Steve Reich gilt als einer der Pioniere der Minimal Music. Die zwischen 1974 und 1976 entstandene Komposition Music for 18 Musicians zählt zu den Schlüsselwerken in seinem Œuvre. Ein Mikrokosmos aus rhythmischen Klängen und repetitiven Mustern, der das Phänomen der Wiederholung und Veränderung auslotet und in seinem kontinuierlich an- und abschwellenden Gestus einen faszinierender Sog auslöst, in den einzutauchen dem Publikum ebenso freisteht wie das genaue Dechiffrieren der technischen Konstruktion: Elf Sektionen sind durch jeweils einen eigenen Akkord grundiert, aus dem das Material für die Instrumentalisten und vier Sängerinnen gewonnen wird. In ihrem Umfang einer Kammersinfonie gleich, kommt Music for 18 Musicians dabei ohne einen Dirigenten aus – eine Aufführungspraxis, zu der sich Steve Reich sowohl von der westafrikanischen Musik als auch von indonesischen Gamelan-Trommlern inspirieren lies. Die Uraufführung von Music for 18 Musicians 1976 in New York mit seinem eigenen Ensemble "Steve Reich and Musicians" machte Steve Reich einem breiteren Publikum bekannt. Erst zwanzig Jahre später fand die Komposition ihren Weg nach Europa, nach Frankfurt am Main, wo das Ensemble Modern das Werk einstudierte. Ein Vorhaben, das ohne die enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten nicht zu realisieren gewesen wäre. Denn Reich hatte für seine Musicians keine Partitur ausformuliert, auch lagen die Stimmen nur in einer Art privater Kurzschrift vor. Eine Partitur und ausgeschriebene Stimmen entstanden, und überdies eine bis heute anhaltende Künstlerbeziehung zwischen Steve Reich und dem Ensemble Modern sowie zahlreiche gemeinsame Konzerte in der ganzen Welt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe HEIM.SPIELE. (Einen Trailer finden Sie hier). Eine Kooperation mit dem Ensemble Modern auf Einladung der Oper Frankfurt. Mit großzügiger Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Aventis Foundation, der Deutsche Bank Stiftung, der Crespo Foundation, der Dr. Marschner Stiftung, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, der Freunde des Ensemble Modern e.V. und der Stadt Frankfurt.

(…) Die Terminierung ließ ahnen: Das ist Feiertagsmusik und fragloses klangliches Großereignis geworden. Und so war denn auch am Ende die Darbietung umjubelt – mit Standing Ovations, wie sie im Neue Musik-Betrieb selten sind.
Es war ein einstündiges, strenges Geschehen, das die Musiker in typisch minimal-artiger Haltung, ganz ohne Ausdrucksgesten, absolvierten. Jeder vertieft in seine geklöppelten, gestrichenen, geschlagenen und gesungenen Repetitionen. Insgesamt eine riesige Klangwolke, die sich ständig verschob, farblich änderte, dichter und lockerer, leichter und schwerer werdend. (…)
Es war faszinierend, besonders die Schlagwerker an Marimbaphon, Metallophon und Xylophon zu beobachten, wie sie ihre Plätze wechselten, bei längeren Pausen sich am Rand des Podiums auf Stühle setzten, um dann wieder ihre Arbeitsplätze einzunehmen. Um den unbeirrbar gleichen, auf seiner klingenden Oberfläche sich aber ständig lebhaft und sukzessiv ändernden Prozess am Leben zu erhalten.
(…)
Im Bockenheimer Depot, wo dieses Weihnachtskonzert in der Reihe heim.spiele der Oper Frankfurt stattfand, hatte der elektro-akustisch überformte Klang (Regie: Norbert Ommer) große räumliche Qualität. Ein akustisches Hologramm, das die vier Stimmen der Solistinnen der Synergy Vocals besonders schön leuchten ließen.

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Dieses ohne Dirigent zu spielende Werk stellt höchste Anforderungen an die innere musikalische Organisation eines Ensembles. Der Gestus der Aufführung durch das weit über eine blanke technische Makellosigkeit hinaus mit einer bewunderungswürdigen Frische agierende Ensemble Modern ist von fast improvisatorisch anmutender Momenthaftigkeit.
Tatsächlich hatte Reich für die Uraufführung mit seinem eigenen, intim vertrauten Musikerkreis 1976 in New York keine vollständige Partitur notiert, sondern nur eine Art Skizze vorgelegt. Erst für eine Aufführung des Ensemble Modern in den 90er Jahren hat er Stimmen präzise fixiert.
(…)
Schon lange natürlich ist der Minimalismus als Stilform abgeschlossen. Die erneute Beschäftigung mit Steve Reich indes lohnt. Das ist eine Musik, die auch Jahrzehnte nach ihrer Hochphase an Faszinationskraft nichts eingebüßt hat.

Stefan Michalzik, Offenbach-Post


(…) Das Miteinander von Wiederholung und Veränderung, bei absoluter rhythmischer Präzision im Zusammenspiel, führte bei den Zuhörern zu den gewünschten Effekten von meditativer Stimmung bis hin zur Trance. Oder, je nachdem, wie die Laster der Feiertage in den Knochen steckten, auch mal zum Sekundenschlaf. Dennoch war die Begeisterung über das gelungene Ereignis im ausverkauften Bockenheimer Depot einhellig.

Markus Kuhn, Frankfurter Neue Presse


(…) Am Ende ist man um ein Hörerlebnis reicher. Eines, das den Zuhörern im Bockenheimer Depot sogar stehenden Beifall wert ist. Und eines, das die Ohren geweitet und sensibilisiert hat – und das etwas im Inneren berührt hat. Mit feinem, intelligentem Klang. Wo woanders dumpfes Wummern nötig ist, reichen dem 80-jährigen Komponisten ganz minimale Nuancen. Eben ganz minimalistisch.

Bettina Kneller, Main-Echo Aschaffenburg

Ihre Auswahl

Premiere
Sonntag
25. Dezember 2016
Beginn
18.00 Uhr
Dauer
ca. 1 Std. ohne Pause
Ort
Bockenheimer Depot
Preise
65/50/20 €

Besetzung

Ensemble Modern
Synergy Vocals