Spielplan

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Martha
Oder der Markt zu Richmond

Friedrich von Flotow 1812-1883

Romantisch-komische Oper in vier Akten
Text von W. Friedrich nach einem Ballett von Jules-Henri Vernoy des Saint-Georges
Uraufführung am 25. November 1847. Kärtnertor-Theater, Wien

Mit Übertiteln

Einführung eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn vor jeder Vorstellung im Holzfoyer

Lady Harriet Durham Maria Bengtsson
Nancy, Harriets Vertraute Katharina Magiera
Lord Tristan Mickleford, Harriets Vetter Barnaby Rea
Lyonel AJ Glueckert
Plumkett Björn Bürger
Der Richter von Richmond Franz Mayer
Drei Mägde Svea Verfürth, Julia Heße, Nicolai Klawa
Zwei Pächter Gerhard Singer, Birgit Treschau
Drei Diener Cheol Kang, Thomas Charrois, Johannes Lehner

Für Richard Wagner war der mecklenburgische Freiherr von Flotow der Inbegriff eines naiven und deshalb frohgemuten Tonkünstlers, der kaum etwas anderes im Sinn hatte, als dem Publikum einige vergnügliche Augenblicke zu verschaffen: »Ich wollte, ich wäre so ein Genie wie Herr von Flotow – schriebe Opern wie Martha, und thäte so, was – ich eben nicht kann!«

Nur ein Jahrzehnt nach der Wiener Uraufführung am k.k. Hofoperntheater avancierte Martha zum Lieblingsstück des deutschen Publikums. »O, lass’ mich in Wonneersterbungshinsinkung vergeh’n!«, parodierte bissig Johann Nestroy dessen kollektive Entflammtheit für die nach einer barocken Ballettvorlage geschaffene komische Oper. Sogar in Revolutionszeiten füllten sich die Theatersäle, wenn das Stück auf dem Spielplan stand; und auch später noch, wenn Caruso Lyonels berühmte Arie »Martha, Martha, du entschwandest, und mein Glück nahmst du mit dir« sang, soll die Damenwelt in Tränen ausgebrochen sein. Der als »Paganini des Cellos« seine musikalische Karriere beginnende Komponist pflegte in Paris mit Auber, Meyerbeer, Adam, Gounod, Rossini und – sehr freundschaftlich – Jacques Offenbach ebenso Umgang wie mit Hugo, Balzac, Mérimée und Heine. Er war aber alles andere als ein Epigone und wusste vielmehr mit entscheidenden Innovationen das Genre der musikalischen Komödie, der bürgerlichen Spieloper, zu bereichern. Er verzichtete auf den immer noch als unabdingbar angesehenen gesprochenen Dialog und platzierte an dessen Stelle eine an der Handlung orientierte musikalische Verbindung der szenischen Teile mittels durchkomponierter Dialoge.

Die Handlung dieser mit eingängigen Melodien nicht geizenden Verwechslungskomödie ist die Geschichte der Lady Harriet Durham und ihrer Freundin Nancy, die ein recht abwechslungsarmes Leben führen, bis sie einer grandiosen Idee verfallen. Die beiden Damen verkleiden sich, geben sich als die Dienstmägde Martha und Julia aus und wandern zum Gesindemarkt nach Richmond. Dort lassen sie sich von den Pächtern Lyonel und Plumkett für Haus- und Hofarbeit anwerben und folgen den Herren auf deren Anwesen, wo sich schon bald offenbart, dass die selbsternannten Mägde zu dergleichen Tätigkeiten absolut untauglich sind. Noch in derselben Nacht suchen sie das Weite. Bald darauf aber sehen sie die beiden Herren wieder – nunmehr freilich unverkleidet. Das erwartete Happy End stellt sich nach allerlei Irrungen und Wirrungen fröhlich ein.

Deutsche Spieloper aus dem Biedermeier auf einer Opernbühne des 21. Jahrhunderts? Funktioniert das? Und wie! Die Oper Frankfurt hat eine Neuproduktion von Flotows Martha präsentiert, die das Publikum mit ihrem spritzigen Humor, ihrer szenischen Intelligenz, exquisiten Stimmen und einem Orchester in Hochform hingerissen hat. Es hat alles gestimmt an diesem Abend. So beschwingt und gut gelaunt sieht man Premierenbesucher selten aus dem Theater kommen. (…)

Michael Demel, www.deropernfreund.de


Das Paar ist deutlich in jenem Alter, das man gerne silberfarben nennt. Wenn Lyonel seine melancholische Arie „Ach so fromm, ach so traut“ anstimmt, schlendern sie vorbei. Die beiden kennen die Melodie, und bei der Zeile „Martha, Martha, du entschwandest“ schmiegen sie sich zum vertrauten Tanz aneinander.
Ja, ältere Generationen haben die Hits aus dieser Oper noch parat. Ganz nebenbei erzählt davon die Regisseurin Katharina Thoma, die das berühmteste Werk Friedrich von Flotows auf die Frankfurter Bühne bringt. Jüngeren Opernfreunden ist das Stück kaum noch geläufig, in Frankfurt stand es zuletzt 1949 auf dem Spielplan (…). Die Geschichte bestätigt ja auch das eine oder andere Vorurteil, das man gegen Opernlibretti haben kann. Eine Lady aus dem weiteren Umkreis von Queen Anne macht sich aus Langeweile den Spaß, als Magd Martha bei einem Gutspächter anzuheuern. Dann kommt die Liebe dazwischen und mit ihr der Standesunterschied, der aber rasch überwunden wird, denn zur rechten Zeit taucht ein Ring auf, der die adlige Herkunft des Bauern belegt. (…)

Johannes Breckner, Darmstädter Echo


(…) Egal, ob sie „Elite-Partner“ oder „Parship.de“ heißen: Bei der Partnersuche geht heute nichts mehr ohne Internet. Wer auf ein attraktives Date für den One-Night-Stand hofft oder gar den Mann oder die Frau fürs Leben finden möchte, ist heutzutage auf Online-Vermittlung angewiesen. Da kommen einem selbst Fernseh-Kuppelshows wie „Bauer sucht Frau“ schon antiquiert vor. Ein Phänomen, das sich Regisseurin Katharina Thoma für ihre Inszenierung der Flotow-Oper Martha mit Witz und Feinsinn zunutze gemacht hat. Denn auch in dem einstigen Lieblingsstück des Opern-Publikums, das 120 Jahre lang zu den meistgespielten Werken auf deutschen Bühnen gehörte, dann aber in der Versenkung verschwand und nun an der Frankfurter Oper wie ein kleiner Goldschatz gehoben wurde, geht es um Partnersuche und natürlich die große Liebe. (…)

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse


(…) Ein überraschender Erfolg der Oper Frankfurt – ausgerechnet Flotow so glaubwürdig auf die Bühne zu bringen, ist jedes Lob wert.

Peter Jungblut, BR-Klassik / Allegro


(…) Regisseurin Katharina Thoma hat die Herz-Schmerz-Schmonzette, Bühnenbestseller von dazumal, pfiffig aktualisiert und zur Premiere auf ganzer Linie gebracht. Beifall und Bravos des sich offenbar prächtig unterhaltenden Publikums galten den Protagonisten, die mit Schöngesang nicht geizten, dem agilen Opernchor und dem Opern- und Museumsorchester, von Chefdirigenten Sebastian Weigle ideal eingewiesen. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Zudem hat Frankfurt ein glänzendes Ensemble aufgeboten, an der Spitze die schwedische Starsopranistin Maria Bengtsson: Ob Lady Harriet scherzt oder schmachtet, immer ist die wandlungsfähige, zu subtilen Differenzierungen fähige Stimme auf ihrer Seite. Ihre Vertraute Nancy hat allein durch die große Altstimme Katharina Magieras kräftigen Charakter, die zugeordneten Männerpartien sind mit dem geschmeidigen Tenor AJ Glueckerts (Lyonel) und dem runden Bariton Björn Bürgers (Plumkett) musikalisch gut getroffen. Und sie alle haben Spaß am Spiel, denn Katharina Thomas Regie vertraut auf den einfachen Spaß der Handlung, ohne einen Hintersinn herbeigrübeln zu wollen. Sie hat die Geschichte in die Gegenwart verlegt, in der es ja durchaus noch Standesunterschiede gibt und die Freude an der Maskerade gewiss nicht nachgelassen hat. (…)

Johannes Breckner, Wiesbadener Kurier


(…) Musikalisch ist der Frankfurter Flotow erstklassig. Es gibt, von Teresa Stich-Randall bis zu Krisztina Laki, von Waltraud Meier bis Waldemar Kmentt und Walter Berry, für alle Martha-Rollen Referenz-Darbietungen. Man muss sagen, Frankfurt kann sich mit dieser Produktion dort locker einreihen. Im Falle von Maria Bengtsson als Lady Harriet ist der Sopran weniger ziseliert und flötenhaft, dafür körperlicher und glänzender. Katharina Magieras Alt hat in der Tiefe große Fülle und ist doch sopranistisch beweglich. Die beiden Pächter-Organe von AJ Glueckert und Björn Bürger sind strahlend und markant, der Lord Mickleford von Barnaby Rea machte ebenfalls einen glänzenden Eindruck.
Mächtige Durchschlagskraft hatte der Frankfurter Opernchor, war aber auch sehr genau in den knappen, repetitiven und ein bisschen fast an Giuseppe Verdis Falstaff erinnernden Idiomen. Die Krone gebührt Sebastian Weigle, dessen animierte und intensive Lesart, gemeinsam mit dem Opern- und Museumsorchester, die Referenzaufnahmen vergessen macht.

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Frankfurts Oper macht aus der Vorlage einen umwerfend unterhaltsamen Abend. (…)

Wertung: TOLL

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Frankfurt (…) bietet allererste Kräfte für diese Wiederentdeckung auf. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle dirigiert und zeigt mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester, wie großartig diese Partitur sein kann – im Reichtum der melodischen Erfindung, im geschickten musikdramaturgischen Aufbau, in den raffiniert gebauten großen Ensembleszenen. Die Klangdelikatesse dieser flüssigen Wiedergabe, die Leichtigkeit der federnden Rhythmen, mit denen Weigle die dramatisch zugespitzten Passagen elegant unterspielt: Das hat große Klasse und wirbt für den Wert dieser Partitur. (…)

Johannes Breckner, Allgemeine Zeitung Mainz


(…) Der um Sängerinnen und Sänger noch erweiterte Chor berauscht mit satten Klangbädern. Durchweg und uneingeschränkt alle Solisten stecken mit ihrer Spiellust und Gesangskunst an. Die Sopranistin Maria Bengtsson in der Rolle der Lady Harriet bewegt sich so mühelos leicht und geschmeidig und selbst im kaum hörbaren Pianissimo mit voller Stimme in höchsten Höhen, wie Katharina Magiera als Nancy mit kraftvollem Alt in den Tiefen Volumen entfaltet. Bengtssons „Rosenlied“ wird zum Inbegriff schlichter Inniglichkeit. AJ Glueckert, seit dieser Spielzeit festes Mitglied im Ensemble, begeistert in der Partie des Lyonel mit einem hellen lyrischen Tenor, wie man ihn an der Frankfurt Oper lange vermisste. Wunderbar gleichmäßig, frei und leicht gestaltet er das „Ach so fromm“ und strahlt in der vollen Stärke mit einer in sich runden Weichheit Intensität aus. Und mit Barnaby Rea hat die Oper neben Björn Bürger einen weiteren jugendlich volltönenden wie überaus agilen Bass-Bariton im Ensemble. (…)

Christine Franke, www.opernnetz.de


(…) Flotow hat alles mit einer oftmals unterhaltsam ansprechenden und mehrfach emotional anrührenden Musik geadelt – über „Martha, Martha, du entschwandest“ und das Lied von der „Letzen Rose“ hinaus. Das machte Frankfurts GMD Sebastian Weigle mit dem Museumsorchester mal dramatisch auftrumpfend, mal tänzerisch leichtfüßig und immer wieder delikat hörbar. Und dann Maria Bengtsson: eine „aristokratisch hochgezüchtete“ Lady Harriet, eine bildhübsche Martha, der man, nein: jedermann verfallen muss – und ein mädchenhaft süßer, höhensicherer Sopran mit einer Pianissimo-Kultur, dass sogar der Schmachtfetzen der „Letzten Rose“ in Bann schlägt und anrührt.
Dazu vier, dem internationalen Sopranstar nicht nachstehende Ensemblemitglieder: Katharina Magiera kontrastierte mit schönen Mezzo-Tönen als reizvoll resolute Nancy; der neu engagierte US-Tenor AJ Glueckert gab überzeugend einen leicht tapsigen, emotional unsicheren, doch tenoral überzeugenden Lyonel; Björn Bürger war mit kernigem Bariton ein bodenständiger Plumkett; Barnaby Reas jugendlicher Bass passte zum snobistisch überheblichen Lord Tristan, der im Liebesspiel leer ausging. Um sie herum wirbelten Chor-Solisten als drei Mägde und zwei Pächter und der von Tilman Michael einstudierte Chor. (…)

Wolf-Dieter Peter, www.nmz.de (neue musikzeitung)


(…) So lang es in Frankfurt derart locker-flockige und vor allem kitschferne Opernproduktionen gibt, wird Opas Operette nicht vermisst. (…)

Klaus Ackermann, Hanauer Anzeiger  

Ihre Auswahl

Samstag
22. Oktober 2016
Beginn
19.30 Uhr
Dauer
ca. 2 Std. 40 Min. inkl. einer Pause
Ort
Opernhaus
Abonnement
Serie 02
Preise
A

Besetzung

Musikalische Leitung
Sebastian Weigle
Regie
Katharina Thoma
Bühnenbild
Etienne Pluss
Kostüme
Irina Bartels
Licht
Olaf Winter
Choreografie
Michael Schmieder
Chor, Extrachor (Damen)
Tilman Michael
Dramaturgie
Konrad Kuhn
Lady Harriet Durham
Maria Bengtsson
Nancy, Harriets Vertraute
Katharina Magiera
Lord Tristan Mickleford, Harriets Vetter
Barnaby Rea
Lyonel
AJ Glueckert
Plumkett
Björn Bürger
Der Richter von Richmond
Franz Mayer
Drei Mägde
Svea Verfürth, Julia Heße, Nicolai Klawa
Zwei Pächter
Gerhard Singer, Michaela Schaudel
Drei Diener
Cheol Kang, Thomas Charrois, Johannes Lehner
Ein Schlagzeuger
Georg Hromadka

Chor und Extrachor (Damen) der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester