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Les vêpres siciliennes / Die sizilianische Vesper

Giuseppe Verdi 1813-1901

Oper in fünf Akten
Text von Eugène Scribe und Charles Duveyrier nach dem Libretto Le Duc d‘Albe (1839)
Uraufführung am 13. Juni 1855, Opéra, Salle de la rue Le Peletier, Paris

Premiere am 16. Juni 2013

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Musikalische Leitung Stefan Soltesz
Guy de Montfort Christopher Maltman
Sire de Béthune Brandon Cedel
Graf von Vaudemont Jonathan Beyer
Henri, ein junger Sizilianer Leonardo Caimi
Jean Procida, Arzt aus Sizilien Kihwan Sim
Herzogin Hélène Barbara Haveman
Ninetta, ihr Kindermädchen Nina Tarandek
Danieli Hans-Jürgen Lazar
Mainfroid Michael McCown
Thibault Jaeil Kim*
Robert Dietrich Volle

* Mitglied des Opernstudios

Zeitgleich mit dem blutig endenden Aufstand der Sizilianer gegen die nicht minder brutale Fremdherrschaft des Hauses Anjou, als dessen unmittelbarer Anlass der entwürdigende Umgang der Besatzer mit den einheimischen Frauen am Ostermontag des Jahres 1282 gilt, vollzieht sich wie immer bei Verdi eine höchst private Geschichte. Sie zeitigt den Stoff vom klassisch ödipalen Vater-Sohn-Konflikt zwischen dem französischen Gouverneur Montfort und seinem illegitimen Sohn Henri, einem jungen Sizilianer. Hinzu kommt dessen Verhältnis zu Hélène, der von den Franzosen gedemütigten Schwester des Herzogs Friedrich von Österreich, deren Bruder am Stückbeginn bereits von den Eindringlingen umgebracht worden ist. Regisseur Jens-Daniel Herzog hat diesen zeitlosen Stoff in die späten sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts transferiert, in die Zeit des Protestes, aber auch des einsetzenden Terrors.

(…) Bariton-Star Christopher Maltman [erlangte] als Usurpator Montfort vom ersten gewaltigen Ton an die Gunst der Zuschauer. Mit despotischem Durchsetzungswillen verkörperte er nicht nur eine der schwärzesten Vatergestalten Verdis, sondern wusste auch mit emotionaler Zartheit im dritten Akt zu rühren, als er entdeckt, dass Henri sein unehelicher Sohn ist.
Als weitere Stütze der Wiederaufnahme erwies sich der mit der Rolle des Jean Procida bereits vertraute Kihwan Sim aus dem Frankfurter Ensemble. Er überzeugte durchweg als fanatischer Kopf der sizilianischen Terrorzelle und verwandelte seine knifflige Auftrittsarie „Et toi, Palerme“ in einen vokalen Triumph. Dirigent Stefan Soltesz lieferte gemeinsam mit dem Opern- und Museumsorchester bereits in der furiosen Ouvertüre eine hochdramatische Umsetzung und wusste die bewegten Chormassen präzise bei ihren schwierigen Einsätzen zu leiten. Bis hin zu den tödlichen Schüssen auf der Hochzeit trieb Soltesz den süditalienischen Musikkrimi packend voran.

Bettina Boyens, Frankfurter Neue Presse