Spielplan

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Enrico

Manfred Trojahn *1949

Dramatische Komödie in neun Szenen
Text von Claus H. Henneberg nach dem Drama Enrico IV (1922) von Luigi Pirandello
Uraufführung am 11. April 1991, Schlosstheater, Schwetzingen

Mit Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Bockenheimer Depot

Musikalische Leitung Roland Böer
Enrico Holger Falk
Marchesa Matilda Spina Juanita Lascarro
Barone Tito Belcredi Sebastian Geyer
Frida Angela Vallone
Carlo di Nolli Theo Lebow
Dottore Dietrich Volle
Landolfo Peter Marsh
Bertoldo Mitglied des Opernstudios
Arialdo Björn Bürger
Ordulfo Thesele Kemane*
Giovanni Doğuş Güney

*Mitglied des Opernstudios

Wahn oder Nichtwahn — das ist hier die Frage! Einst war Enrico bei einem Maskenzug vom Pferd gestürzt, verkleidet als König Heinrich IV., seine damals vergeblich angebetete Matilda im Gewand der Marchesa di Toscana an seiner Seite. Als er aus seiner Ohnmacht erwachte, machte man sich — allen voran sein Rivale Belcredi — einen Spaß daraus, ihm weiterhin als König Heinrich IV. zu begegnen. Was als Spiel begonnen hatte, war über zwanzig Jahre hinweg zur Realität des vermeintlich Wahnsinnigen geworden. Bis sich irgendwann die Frage stellt, wer hier eigentlich der Spielmacher ist und warum jene konstruierte Wirklichkeit in dem Moment ins Wanken gerät, in dem es um echte Emotionen, um Leben und Tod geht.

Luigi Pirandellos Drama Enrico IV. diente als Vorlage für Manfred Trojahns 1990 uraufgeführte Oper. Eingebettet in das grazile Klangbild eines kleinen Orchesters verbinden sich seine musikalischen Mittel und das knappe Libretto von Claus H. Henneberg bei dem permanenten Fokus auf die dramatische Situation zu einer Präzisierung der Charaktere und einer Zuspitzung der von Pirandello vielfach exponierten Prämisse: »Jeder macht sich seine Maske zurecht, wie er’s vermag — die äußere Maske.« Viel deutlicher noch als im zugrundeliegenden Theaterstück steht in der Oper das zeitlos tragisch leidende Individuum innerhalb eines schicksalhaften Miteinanders im Zentrum. Die neun Szenen seiner Dramatischen Komödie, welche von einem zurückgenommenen, reflektierenden Notturno geteilt werden, strukturiert Trojahn mithilfe von Chiffren, wiederkehrendem Material, bestimmten Orchesterimpulsen und dem äußerst differenzierten Tempo seiner Operndramaturgie. Dabei leugnet sein Stil nie die Tradition der Gattung Oper, so wie sein Gesamtwerk nie der verbreiteten Tendenz Neuer Musik zur Isolation folgt. Trojahn findet in Enrico einen eigenständigen Ausdruck für das, was ihn selbst an der literarischen Vorlage fasziniert: der Stoff, seine Figuren, seine Schlagkraft.