Spielplan

zur Übersicht

Drei Opern

Ernst Křenek 1900-1991

Der Diktator Schwergewicht oder die Ehre der NationDas geheime Königreich

Tragische Oper in einem Akt I Burleske Operette in einem Akt I Märchenoper in einem Akt

Text vom Komponisten
Uraufführung am 6. Mai 1928, Staatstheater, Wiesbaden

Mit Übertiteln
Einführung vor jeder Vorstellung eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Bitte beachten Sie auch die AUSSTELLUNG im Chagallsaal im Rahmen dieser Produktion.

DER DIKTATOR
Der Diktator Davide Damiani
Charlotte, seine Frau Juanita Lascarro
Der Offizier Vincent Wolfsteiner
Maria, seine Frau Sara Jakubiak

SCHWERGEWICHT oder DIE EHRE DER NATION
Adam Ochsenschwanz Simon Bailey
Evelyne, seine Frau Barbara Zechmeister
Gaston, ein Tanzmeister Michael Porter
Professor Himmelhuber Ludwig Mittelhammer
Anna Maria Himmelhuber, seine Tochter Nina Tarandek
Journalist / Regierungsrat Michael McCown

DAS GEHEIME KÖNIGREICH
Der König Davide Damiani
Die Königin Ambur Braid
Der Narr Sebastian Geyer
Der Rebell Peter Marsh
Drei singende Damen Alison King, Julia Dawson, Judita Nagyová
Erster Revolutionär Michael McCown
Zweiter Revolutionär Doğuş Güney
Ein Wächter Michael Porter

Drei Protagonisten wie ein egoistischer Diktator, dem die Frauen verfallen sind, ein marionettenhafter Boxer, der in Abhängigkeit von seinem Trainierapparat gerät und ein weltflüchtiger König, der im Zentrum eines kuriosen Konfliktes zwischen seinem eigenen Hofstaat und der Außenwelt steht, verlangen nach entsprechend unterschiedlichen Genres. So gießt Ernst Křenek, dem eben erst mit seiner Erfolgsoper Jonny spielt auf der internationale Durchbruch gelungen ist, seine drei Einakter in die Formen tragische Oper, burleske Operette und Märchenoper. Wie seine Zeitgenossen Ferruccio Busoni, Kurt Weill oder auch Bohuslav Martinů sorgt er sich um eine Entfremdung von Kunst und Publikum. Ihm liegt an einem Spagat zwischen der Anknüpfung an Bewährtes und der Reflexion populärer kultureller Entwicklungen: Während er im Diktator bei einer Figurenkonstellation à la Shakespeare den Verismo beschwört und in der mit Modetänzen gespickten, besonders leichtgewichtig daherkommenden Farce Schwergewicht oder Die Ehre der Nation eine beinahe Nestroy’sche Gesellschaftskritik entwickelt, erinnert Das geheime Königreich an einen Märchenzauber, wie wir ihn etwa von Schikaneder kennen.

Křeneks Rechnung geht auf: Die Opern werden 1928 in der Regie des Wiesbadener Intendanten Paul Bekker am Hessischen Staatstheater vor einem hellauf begeisterten Publikum uraufgeführt – darunter »viele Frankfurter, die dankbar sind für die frische Luft, die ihnen entgegenschlägt«, wie es in einer Premierenkritik heißt. Nicht nur die europaweit als zeitgemäß verstandene Kurzform des Einakters sowie die dramaturgisch-musikalische Anlage der drei Werke, auch die Balance zwischen konkreten historischen Kontexten und deren Relativierung durch absurde fiktionale Handlungsverläufe bringen neuen Wind ins Repertoire. Erstmals verankert Křenek, der hier wie für die meisten seiner über zwanzig Opern auch als Librettist verantwortlich zeichnet, sein Schaffen figurativ in der eigenen Realität – etwa in der bewusst »dem Duce-Typus nachgebildeten« Charaktergestaltung des Diktators. Und er scheint geradezu politische Vor-Sicht zu beweisen... Immanent ist den Werken der Verweis auf die historische Bedingtheit politischer wie auch konventionell geschlechtsgebundener Machtverhältnisse, die jedoch zugleich in weitaus größere Zusammenhänge gestellt werden. Darin offenbart sich der historische Mitgestaltungswille eines Künstlers, der explizit formuliert, dass es ihm bei den meisten seiner Opernstoffe um das Sujet der menschlichen Freiheit geht und dass er »beides will: Wirkung in der Zeit und Distanz von ihr«.

Drei Opern – ein Thema: die Macht. In allen ihren Facetten, nackt, brutal, verführerisch. Als dominanter, alles beherrschender Trieb, als momentane Aufwallung, als blutige Farce, als zynisches Spiel. So, als würde die Macht sich ihre Menschen bauen, ihr Personal gleichsam klonen. (…)

Cornelie Ueding, Deutschlandfunk Kultur heute


(…) Křenek (…) lag mit der Trias von Der Diktator, Das geheime Königreich und Schwergewicht oder die Ehre der Nation (…) auf der Höhe seiner Zeit. Die Oper Frankfurt leistet jetzt wertvolle Erinnerungsarbeit und zeigt die kontrastreiche Folge in der Neuinszenierung von David Hermann und unter der musikalischen Leitung von Lothar Zagrosek: Um den Diktator eines nicht genannten Landes, der mehrere rächende Schüsse der Frau eines schwer giftgasversehrten Offiziers überlebt, geht es im tragischen ersten Teil. Die folgende Operette spielt im Boxer-Milieu, nicht unbeeindruckt von den Erfolgen und der nationalen Vereinnahmung Max Schmelings bereits in der Weimarer Republik. Der Diktator, hier Zuschauer, wandelt sich in der Märchenwelt des dritten Stücks im Angesicht eines erfolgreichen Rebellen (schneidend hoch: Peter Marsh) zum reflektierenden König.
David Hermanns Regie verklammert, ohne zu verengen; Bariton Sebastian Geyer, Narr des Königs, hat bereits die Szenenanweisungen des Diktators gesprochen. Die aufwendigen Bühnenbilder von Jo Schramm wechseln wiederentdeckungsdienlich von einem Schweizer Hotelzimmer über den Boxring zu einem ahnungsvoll kriegszerstörten Palast; nichts legt die Szene auf konkrete, gar gegenwärtige Figuren fest. Denn sich auf einen Diktator zu beziehen hieße schließlich, alle anderen unberücksichtigt zu lassen. (…)

Axel Zibulski, Darmstädter Echo


(…) Stimmlich bestach im Diktator vor allem Sara Jakubiak – die dem Kriegsführer verfallende Frau eines Kriegsblinden, den sie doch eigentlich rächen wollte. Im Geheimen Königreich brillierte, wenn auch mit einiger forcierter Höhenschärfe, Ambur Braid in der viel Virtuosität abverlangenden Rolle der Königin. Im Ensemble zusammen mit dem Narren (sehr gut: Sebastian Geyer) und den Drei singenden Damen (Alison King, Julia Dawson, Judita Nagyová) kam hier eine der artistischsten und lebhaftesten Partien der Trilogie zur Geltung.
Der Frankfurter Universal-Herrscher aber war Davide Damiani, der mit sicherer, fundierter Stimme und sauberer Intonation unaufgeregt agierte. (…)

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


(…) Mit klassischem Paukenwirbel beginnt der Frankfurter Opernabend – bevor „jazzig“ anmutende Rhythmen dazwischen funken. Unbekümmert mischt der Wiener Ernst Křenek um 1928 gestrige Klänge mit den modernen Tönen seiner Zeit. Das Frankfurter Opernorchester verwebt sie unter Gastdirigent Lothar Zagrosek sorgfältig zum farbenreichen Klangteppich. Ähnlich verfährt der deutsch-französische Regisseur David Hermann: Er sucht in Křeneks Kurzopern die roten Fäden zusammen und verknotet sie gemeinsam mit einer hervorragenden Sänger-Schauspieler-Riege zum schlüssigen Ganzen. Bindeglied in den drei Einaktern ist dann die Figur des Narren. (…)

Ursula Böhmer, SWR 2 Kultur aktuell


(…) Gelassen ist der Narr; bei ihm ist der Kronreif sicher, bis er ihn beim Kartenspiel verliert (er ist halt doch nur ein Narr). Sebastian Geyer verkörpert diese zentrale Rolle mit hinreißender Lässigkeit und edlem Legatogesang – sein Bariton bietet das größte Sängerglück des Abends. (…)

Bernd Feuchtner, www.klassikinfo.de


(…) [Regisseur David] Hermann handelt den mittleren Einakter [Schwergewicht oder Die Ehre der Nation] keineswegs leichtfertig ab. Er schafft es, die verbindenden Strukturen zwischen dem ersten und dem zweiten Einakter herauszuarbeiten und sie entlang der absurden Handlung so zu visualisieren, dass sie einerseits Stabilität schaffen und andererseits dem Klamauk auf der Bühne genug Platz einräumen. Hervorragend gelingt ihm das mit der prominenten Platzierung des Narren, eigentlich einer Figur aus dem dritten Einakter, am Anfang des Abends. Ein großes Lob auch an die Kostüme von Katharina Tasch, die beispielsweise mit der blonden Perücke aller drei Gattinnen auf die Macht des Wiedererkennens setzt, und an die Bühne von Jo Schramm, der meisterhaft graduelle Verschiebungen im Visuellen möglich macht und das Geschehen ganz buchstäblich immer weiter hochsetzt.
(…)
So viel lustvolles Spiel und scheinbare Absurdität alle drei Einakter auch ausstrahlen – hier unterstehen sie einer gut geölten Regelstruktur, werden eingerahmt von den Vorgaben Křeneks einerseits und von den szenischen Setzungen Hermanns andererseits. Letzterer spürt dem Komponisten gekonnt nach. Das Beste spart Křenek für den Schluss auf – und das Regieteam tat sehr gut daran, das zu erkennen. Es konzentrierte seine Ressourcen aus Sängern und Bühneninstallation auf den dritten Teil, der den Abend hervorragend abrundet und wohl kaum jemanden im Publikum ohne ein Schmunzeln nach Hause entlässt. Die vielen Bravo-Rufe konnten das bestätigen.

Ekaterina Kel, www.die-deutsche-buehne.de


(…) Die Erotik der Macht ist das eigentliche Leitmotiv der drei Opern; entsprechend hyperaktiv und aufgedreht haben die Figuren auch zu agieren: die koloraturenfeste Königin (Ambur Braid), der in die Höhe gejagte Revolutionär (Peter Marsh), zuvor sehr dramatisch Sara Jakubiak und Juanita Lascarro (Charlotte und Maria) sowie der vom Giftgaseinsatz erzählende, blinde Offizier (Vincent Wolfsteiner).
Der Kronreif wandert, ähnlich dem Ring des Nibelungen, wundersam von Hand zu Hand; drei Damen (köstlich: Alison King, Julia Dawson und Judita Nagyová), wie in der Zauberflöte, übertölpeln den Narren mit Hilfe eines vergifteten Tranks und eines Kartenspiels, bis doch so etwas wie ein Happy End gelingt. In allen drei Geschichten fängt der Librettist Křenek virtuos und witzig Themen der keineswegs „goldenen“ zwanziger Jahre ein. Hier wie in einem Brennglas Revolution, Krieg und Diktatur, dort Satiren auf die Begeisterung für Sport und Technik sowie revuehafte Elemente. Křenek schreibt ähnliche Musik, die Tradition im Blick und sie mit allen Moden und Stilen der Zeit, die zwischen „E“- und „U“-Musik zu unterscheiden begann, kontrapunktisch verknüpfend.
(…)
Das Opern- und Museumsorchester (mit viel Schlagzeug und sogar einem Banjo) lässt sich konzentriert darauf ein, Lothar Zagrosek verpflichtet es auf rhythmische Präzision, lyrische Passagen und klangliche Wärme kennzeichnen eher die Vor- und Zwischenspiele.
(…) Diktator und König in Personalunion finden in Davide Damiani einen flexiblen, hier selbstbewusst und dort als gebrochener Mann agierenden Bariton. Insgesamt einundzwanzig Rollen sind für die zwei Stunden zu besetzen – eine Herausforderung für das prächtige Frankfurter Ensemble, nebst einer nur aus dem Off singenden Gruppe aus dem Chor. Ein hüstelnder Journalist (Michael McCown) fragt Ochsenschwanz, das Schwergewicht, wie er denn Goethes Faust fände. „Meine ist besser“, antwortet der Boxer. Soviel Witz darf sein. Einhelliger, starker Beifall.

Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse


(…) Die 90 Jahre alte Musik (…) wird unter Lothar Zagrosek fantastisch präsentiert. Die Sänger singen durchweg auf höchstem Niveau, hochdramatisch expressiv, mit schneidender Schärfe, weicher Melancholie. (…)

Wertung: SEHR GUT

Josef Becker, Bild Frankfurt


(…) Regisseur Hermann haucht seinen Protagonisten spannungsreiches Leben ein. Dank der Kürze der Handlungsstränge kommt keine Langeweile auf, die Charaktere erhalten Kontur. (…)

Manfred Merz, Gießener Allgemeine Zeitung


(…) Seine eigenen Libretti sah Křenek distanziert, aber: „Der Mangel an poetischer Dichte erlaubt eine gesunde Direktheit.“ Die ist ebenso erfrischend wie Křeneks geniales musikalisches Stil-Potpourri. Da hat eben noch der erblindete Offizier (Vincent Wolfsteiner) expressiv und freitonal von einem Giftgaseinsatz berichtet, als seine Frau Maria (bezwingend: Sara Jakubiak) perfide zum tief romantischen Duett mit dem Diktator ansetzt. Mit irren Koloraturen der Königin (fabelhaft: Ambur Braid) und ihren „drei singenden Damen“ liegt, klar, Mozarts Zauberflöte in der Luft – wie so vieles, auf das Křenek im virtuosen Stilzitat anspielt. Simon Bailey markiert dazwischen die tumbe Stärke des Boxers Adam Ochsenschwanz mit deftig gespannten Arm- wie Stimmmuskeln, ein heftiger Knalleffekt beendet die Klamotte vom Schwergewicht.
(…)
Den großen, allerdings orchestral auch ziemlich druckvollen Bogen spannt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester über alles, mit Lothar Zagrosek als Dirigent, der diese hoch intelligente, witzige, manchmal alberne und skurrile, dabei plötzlich immer wieder auch tief beklemmende Wiederentdeckung musikalisch aufwertet.

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier


Köstliche parodistische Momente haben Ernst Křeneks 1928 in Wiesbaden uraufgeführten Einakter, die der Würzburger Regisseur David Herrmann jetzt an der Oper Frankfurt wiederbelebte. Durchgängig wird da ein Machthaber entzaubert, der sich im freien Fall befindet. Musikalisch ist das eine Wundertüte aus Oper und Revue, von Lothar Zagrosek und dem Opern- und Museumsorchester lustvoll geleert, die einmal mehr nachwiesen, dass Musik durchaus ironisch sein kann. Und weil die famosen Gesangsprotagonisten spürbar in Spiellaune waren, gab es zur Premiere uneingeschränkt Beifall.
Hauptsache herrschen, ob nun öffentlich oder privat, könnte die szenische Klammer von Der Diktator, Schwergewicht oder Die Ehre der Nation und Das geheime Königreich lauten. (…)

Klaus Ackermann, Offenbach-Post


(…) Musikalisch ist erneut eine Leistungsschau des Frankfurter Ensembles zu erleben. Die Sängerinnen und Sänger nutzen ihre knapp bemessenen Auftritte für ein Maximum an Rollenprofilierung. (…)
Das Publikum ist am Ende einhellig begeistert. Ihm wurde spannendes und kontrastreiches Theater in sehenswerten Kulissen bei ausgezeichnetem musikalischem Niveau geboten. Eine Bereicherung des Repertoires sind diese drei Kurzopern allemal.

Michael Demel, www.deropernfreund.de


(…) Am Ende folgt Beifall für alle Beteiligten – ohne Höhen und Tiefen, lang und anerkennend. Das Konzept von David Hermann und Lothar Zagrosek ist klug durchdacht und überzeugend umgesetzt. Gemeinsam mit den Künstlern schaffen sie es, beste Unterhaltung bei größtmöglicher Tiefenschärfe zu bieten und dabei an Křenek heranzuführen, wie man ihn in dieser Konzentration seit 1928 nicht mehr erlebte.

Christiane Franke, www.klassikinfo.de

Ihre Auswahl

Sonntag
14. Mai 2017
Beginn
19.30 Uhr
Dauer
ca. 2 1/4 Std. inkl. 1 Pause
Ort
Opernhaus
Abonnement
Serie 12
Preise
A

Besetzung

Musikalische Leitung
Lothar Zagrosek
Regie
David Hermann
Bühnenbild
Jo Schramm
Kostüme
Katharina Tasch
Licht
Olaf Winter
Chor
Markus Ehmann
Dramaturgie
Mareike Wink

Der Diktator

Der Diktator
Davide Damiani
Charlotte, seine Frau
Juanita Lascarro
Der Offizier
Vincent Wolfsteiner
Maria, seine Frau
Sara Jakubiak

Schwergewicht oder die Ehre der Nation

Adam Ochsenschwanz
Simon Bailey
Evelyne, seine Frau
Barbara Zechmeister
Gaston, ein Tanzmeister
Michael Porter
Professor Himmelhuber
Ludwig Mittelhammer *
Anna Maria Himmelhuber, seine Tochter
Nina Tarandek
Journalist / Regierungsrat
Michael McCown

Das geheime Königreich

Der König
Davide Damiani
Die Königin
Ambur Braid
Der Narr
Sebastian Geyer
Der Rebell
Peter Marsh
Drei singende Damen
Alison King *, Julia Dawson, Judita Nagyová
Erster Revolutionär
Michael McCown
Zweiter Revolutionär
Doğuş Güney
Ein Wächter
Michael Porter

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

* Mitglied des Opernstudios