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Der Mieter

Arnulf Herrmann *1968

Oper,Text von Händl Klaus nach Motiven des Romans Le Locataire chimérique (1964) von Roland Topor
Auftragswerk der Oper Frankfurt

Mit Übertiteln

Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im Holzfoyer

Beachten Sie auch die extra Veranstaltung Auftakt zur Uraufführung Der Mieter zu dieser Produktion am 23. Oktober um 20 Uhr im Holzfoyer.

Musikalische Leitung Kazushi ŌnoKarsten Januschke (24.11.2017)
Georg Björn Bürger
Johanna Anja Petersen
Herr Zenk Alfred Reiter
Frau Bach Hanna Schwarz
Frau Greiner Claudia Mahnke
Frau Dorn Judita Nagyová
Körner Michael Porter
Krell Theo Lebow
Ingo / Kellner Sebastian Geyer

Es herrscht Wohnungsnot. Georg ist deshalb froh, ein Zimmer gefunden zuhaben. Die Vormieterin hatte sich aus dem Fenster gestürzt. Schon bald nach Georgs Einzug beginnen die anderen Hausbewohner in sein Leben und seine Gewohnheiten einzugreifen. Anfangs sind es nur Beschwerden über angebliche Lärmbelästigungen. Dann soll sich Georg daran beteiligen, andere Mieter aus dem Haus zu vertreiben. All dies geschieht vor dem Hintergrund eines zunehmenden Klimas der Angst, Einschüchterung und — was am schwersten wiegt — der allmählichen Selbstbeschränkung sowie des vorauseilenden Gehorsams durch Georg selbst, nur um sein Zimmer nicht zu verlieren. Sein (Lebens-)Raum zieht sich buchstäblich zusammen. Letztlich bleibt aber unklar, ob die Bedrohung real ist, oder ob sie sich nur in seinem Kopf — gleich einer fortschreitenden Paranoia — einnistet. So treibt Georg auf den vollkommenen Verlust seiner Identität zu. Er entwickelt allmählich die Vorstellung, dass er dazu gezwungen wird, das gleiche Schicksal wie seine Vormieterin zu erleiden. Noch mehr: dass er mit der Person seiner Vormieterin verschmelzen soll. Dadurch verliert er nicht nur seine eigene Identität, sondern wird vom Mann zur Frau — und nimmt sich das Leben.

Arnulf Herrmanns Oper basiert auf Motiven des Romans Le Locataire chimérique von Roland Topor, der unter dem Titel The Tenant von Roman Polanski verfilmt wurde. Anders als Buchvorlage und Film konzentriert sich die Oper zentral auf die Frage der Anpassung unter einem äußeren Druck. Wie weit ist man bereit zu gehen? Dabei ist es letztlich zweitrangig, ob der äußere Druck in allen seinen Facetten real ausgeübt oder ob er ab einem gewissen Punkt nur noch als solcher empfunden wird. Was ist das Eigene? Was ist das Fremde? Und wie verhält sich die Behauptung persönlicher Freiheit, vor allem unter äußerem Druck und Abhängigkeit, dazu?