Gästebuch

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Mozart im Depot:
Was für eine großartige und dramatische Musik in der der erst 15 Jahre alte Wolfgang Amadeus viel seines späteren Könnens andeutet. Überzeugend dargeboten vom Opernorchester. Tolle Sängerleistungen und eine überzeugende zum Teil witzige Regie. Der manchmal problematische Raum des Depots überrascht als kirchlicher Bühnenraum. Fazit: Höchst anrührend und super toll. Gibt's ne Wiederaufnahme?

Liebe Mitarbeiter der Frankfurter Oper. Gestern waren wir zur Kinderoper Tosca, das erste mal mit unserem kleinsten Sohn (4Jahre). Es war nicht nur für uns Eltern ein Erlebnis, um die Liebe zur Oper zu entdecken, sondern auch einmalig und bedeutend für unsere beiden Kinder. Tosca ist dadurch zu unserer Lieblingsoper geworden. Tolle Schauspieler, kurzweilig und unterhaltsam, dennoch spannend und fesselnd. Vielen Dank für den schönen Nachmittag und an alle Mitwirkenden. Wirkliche Kunst, die nachhaltig wirkt!!!


U. a. Krenek wird im Programmheft (S. 53, s. auch das Zitat aus einer Kritik auf S. 36 und das Gespräch auf S. 7) damit zitiert, die drei Einakter seien im Gefolge von Jonny spielt auf enstanden. Sie sind in der Tat von einer kompositorischen Virtuosität, die sich so um sich selbst dreht, wie das für Wiederholungen von schon Geschaffenem bezeichnend sein kann. Man kann auch anhand der Prägnanz mancher der ernsteren Themen vermuten, dass sich Krenek in einem anderen Genre versuchen wollte. Dass er, anders als die Frankfurter Aufführung, die eher begütigende und sich wiederholende drehende Utopie des "geheimen Königreichs", in die Mitte und das schmissige "Schwergewicht" ans Ende stellte deutet darauf hin, dass er - zu Recht - seinen Fähigkeiten im Ernsten nicht recht traute. Das Programmheft analysiert so eifrig und auch unter Verweis auf die zeitgenössische Kritik (S. 36), wie das für nicht so bekannte Komponisten üblich geworden ist und ihrem Verständnis eher schadet, welche Einflüsse Krenek verarbeitet hat. Interessanter ist eher die Freiheit, mit dem er mit dem Abschied von der Tonalität umgeht: Nicht so sehr das Neue (mit seiner Zwölftontechnick) formelhaft fassend wie Schönberg, nicht eigentlich eng an die Tradition angelehnt wie Busoni, aber auch ohne wirklich eigenen Mut, nicht bewusst schräg wie bei Schostakowitsch oder Profiev, in seiner Position zwischen einer radikaleren Atonalität und der Klassisch/Romantischen Tradition ähnlich wie der zwischen Klassik und Romantik eine eigene Sprache entwickelnde Berlioz. Ob Kreneks Sprache so eigenartig wie die etwa von Berlioz oder des gern klein geredeten Telemann ist wäre eine eigene Betrachtung wert, bei der der Dirigent der Frankfurter Aufführung, Zagrosek, unbedingt dabei sein sollte. Kreneks Motive sind, wie schon gesagt, häufig prägnant, sie prägen sich aber dennoch nicht wirklich ein, sie wechseln sich ohne viel Gesetzmässigkeit ab. Ich habe mich bei dem Gedanken erwischt, dass das Ganze, auf die Tonalität "zurück" geführt, wohl wie ein blasser Johann Strauss jun. klänge.

Krenek wird vom Programmheft (S. 53) auch dahin zitiert, er sei als Librettist mit da Ponte zu vergleichen, auch das Inszenierungsteam schreibt ihm (Programmheft S. 7) szenische Intelligenz zu. Das bestätigen die drei Einakter nicht. Sie sind bis auf die thematisch eher dröge Amalgame aus harten politischen bzw. sozialen, bis heute aktuellen Themen und extremen Gefühlswelten. Menschen verlieren sich ineinander und bringen sich in einer Geschwindigkeit gewaltätig gegenseitig um, die eher filmisch ist, auch die Schaueropern und -dramen des 19. Jahrhunderts entwickeln sich im Vergleich gemächlich. Wenn nun Maria dem Diktator, den sie eben noch umbringen wollte, verfällt, ist man an Bergs Lulu und Musil erinnert. Dass das Inszenierungsteam Maria zur Heldin machen will (s. S. 9 des Programmhefts) wird der Herausforderung des Charakters nicht gerecht. Einzelne Formulierungen der Libretti geraten gelegentlich beklemmend treffischer, etwa, wenn der durch Giftgas blind gewordene Soldat seinen früheren Enthusiasumus für den Krieg reflektiert. Über Satzgruppen reichen die jeweiligen Stimmungen allerdings meist nicht hinaus. Man kann sich vorstellen, dass auf dieser Grundlage eine Abfolge von Verrücktheiten darzustellen gelingen könnte, wenn man den Fguren ein inneres Leben, ihre Liebe und Verzweiflung sich langsam entwickeln liesse. Stattdessen wird die zur Mörderin aus Eifersucht werdende Gattin des Diktators auf eine Hausfrauenrolle reduziert (ebenso das Interview mit dem Inszenierungsteam auf S. 9 des Programmhefts) es werden Hände gerungen, langatmig gestolpert, auf Castorff-Art Sexzenen gemimt. Der Narr, sicher eine der prägnantesten Figuren der Dreiakters, wird vom Regisseur auf szenisch kaum verständliche Weise auch in die anderen Opern eingeführt. Seine Kulmination erreicht die kurzschlüssige Parallelisierung im von Baumstümpfen ohne Baumstämme geprägten Bühnenbild des geheimen Königsreichs, das durch Spiegelungen wie ein Aquarium wirkt und auch das dadurch einem Schmuckprospekt ähnelnden Programmheft ziehrt. Die Hilflosigkeit, mit der die Sänger durch diese Ausgeburt zu ambitionierter Budgets stopern bzw, zu schwimmen scheinen, reflektiert die gedankenarme Geschäftigkeit der Inszenierung plastisch.

Beim Haupthelden des Davide Damiani kann man bestätigt finden, dass Altern in der Karriere Altern auf der Bühne nicht leichter darstellbar macht. Die Sopranistinnen beeindrucken, v. a. die Koloraturen der Königin von Ambur Braid sind bewundernswert, nur bei der Maria der Sara Jakubiak hat man aber den Eindruck der Entsprechung mit der Musik. Die - vielen Tenöre - legen den Eindruck nahe, pauschales, verkrampftes Vibrato wäre eine Art frankfurter Schule, umso bedauerlicher, weil sowohl der Offizier des Vincent Wolfsteiner als auch der Rebell des Rebell des Peter Marsh in den mit Sprüngen verbundenen kurzen Noten und in der Höhe erstaunlich treffsicher sind. Eine einzige Freude war, wie in einer anderen Post gesagt, Sebastian Geyer, aus kleinen Eigenheiten eine grossartige Auffassung der Rolle eines Narren erkennen lassend, das von den vielen mit dieser Art von Rolle verbundenen Stereotypen völlig unberührt schien. Merkwürdig, dass auf youtube nichts von ihm zu finden ist, was dem Klang im Raum entspräche. Man fragt sich, ob ein derartiges Talent sich seinem Potential entsprechend entwickeln kann, obwohl es nicht zum Brüllen neigt. Im youtube Zeitalter kann man nachvollziehen, wie die Spezifik der Karriere des nimersatten Fischer-Dieskau mit dem Zeitalter der Aufnahmen verwoben war, Fischer-Dieskaus Versatilität aber dennoch das Publikum, das von ihm immer weiter die selbe Auffassung von Schubert, den Wolfram und den Amfortas hören wollte und schon seiner Präzision als Graf, Falstaff und Mandryka eher verständnislos gegenüber stand, nicht voll unterstützte. Talente wie Geyer müssen sich nicht nur im Betrieb, sondern auch gegenüber solchen Vorbildern behaupten, die schon deshalb unerreichbar bleiben müssen, weil die Zeiten andere sind. Umso erfreulicher ist, dass ein Talent wie Geyer zu hören war!

Drei Opern und der Ohrwurm. Der Ohrwurm, der Tanz aus "Schwergewicht" geht mir nicht aus dem Kopf, diese quirlige, freche, mitreißende Musik, hinreißend serviert von unserem debütierenden Sänger-Artisten Michael Porter, der mit seinem frühlingsfrischen Tenor sogar im Handstand singen kann und seiner quicklebendigen Partnerin Barbara Zechmeister.- Aber von vorne: es hat mich interessiert, Werke von Krenek kennenzulernen. Nach dem Besuch der Aufführung muß ich sagen, daß es sich um 3 sehr unterschiedliche, sogar disparate Werke handelt. Nach "Der Diktator" mit seinem sehr ernsten Thema und dem stark berührenden Schluß kommt unvermittelt die schmissige, turbulente Revue - der Kontrast war schon heftig und auch vom Komponisten so nicht beabsichtigt. Ich meine, daß Diktator und "Königreich" sehr gut zusammenpassen, aber Schwergewicht ein Fremdkörper in dieser Trilogie ist. Trotzdem war es ein thematisch und musikalisch sehr interessanter Abend. Der Regisseur hat die 3 Werke sehr gut und spannend inszeniert, im Schwergewicht allerdings mit einer nicht einleuchtenden Abänderung, indem nicht der Boxer im Trainiergerät steckt, wodurch die ganze Schlußpointe verdorben ist. Man konnte wieder die hervorragende Arbeit der Werkstätten bewundern. Musikalisch war die Wiedergabe auf höchstem Niveau, insbesondere durch den Dirigenten Zagrosek, unserem großartigen Orchester und den erwähnten Solisten, außerdem Frau Braid, die Herren Damiani, Geyer, Wolfsteiner und Marsh. (Von "Tenor.Vibrati" habe ich nichts gehört). Ein Abend, der sehr zum Nachdenken und zur Diskussion anregt. Ich blicke zurück auf eine Spielzeit mit vielen sehr eindrucksvollen Erlebnissen und großartigen Aufführungen, wofür ich allen Beteiligten danke.

Natürlich kann man zu so schwierigen Stücken nicht nur adäquate Sänger finden, und dennoch war die Einheitlichkeit der Tenor-Vibrati bedauerlich. Untypisch für die Zeit ist auch nicht, dass die Regie das Übermass an Motiven von Kreneks ungeschickten Texten noch einmal nutzlos durch Übertreibungen des Tys Liebe=Kopulation und Kleider- und bühnenbildnerischem Luxus steigert. Wie wohltuend dagegen das agile Orchester unter Zagrosek und begeisternd Sebastian Geyer, der jeder der gewiss nicht einfachen Phrasen bis in deren letzte Noten mit Sinn füllt, und selbst den Paushalitäten der Bewegungsregie etwas abgewinnen kann!